Die TOLERADE ist eine seit 2015 jährlich stattfindende Demonstration  in Dresden. Ein bunter Straßenzug gestaltet von zahlreichen Dresdener Initiativen die sich an diesem Tag zusammentun, um sich klar gegen Rechts zu positionieren und sich für eine offene, tolerante und respektvolle Gemeinschaft einsetzen!
Zur Tolerade 2019 waren wir auch beteiligt an der Gestaltung eines Wagens und hatten darüber hinaus die Möglichkeit unseren Überlegungen eine Stimme zu verleihen.

Hier der Redebeitrag von Marlene: 

Ich spreche heute für die Gruppe kritmed.
Wir studieren Medizin oder Zahnmedizin und arbeiten zu verschiedenen medizinpolitischen Themen.
Wir organisieren z.B. Workshops und Vorträge, zeigen Filme und veranstalten
Kundgebungen.
Unser Ziel ist eine Gesundheitsversorgung mit weniger Hierarchien und mehr Gleichberechtigung; mit weniger Diskriminierung und mehr Selbstbestimmung für alle
Menschen!

Unsere Visionen von einer Gesundheitsversorgung der Zukunft hängen stark von politischen Entscheidungen ab. Deshalb müssen wir uns fragen, wie der Ausgang der anstehenden Wahlen die Gesundheitspolitik beeinflussen wird.
Wie ist die Haltung von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD?
Das Thema Gesundheitspolitik hat für die AfD scheinbar keine große Relevanz. Im Parteiprogramm widmet sich kein einziger Abschnitt ausschließlich dieser Thematik und es scheint einmal mehr zu gelten: Polemik statt Kompetenz ist das Motto dieser Partei.
Für uns ist Gesundheitsversorgung relevant und die differenzierte Auseinandersetzung damit Grundlage für eine gerechte Versorgung. 
Die AfD ist eine Partei, die den menschengemachten Klimawandel leugnet.
Sowohl die Ursachen des Klimawandels wie z.B. dreckige Energieerzeugung, oder dreckiger Verkehr, als auch der Klimawandel an sich machen krank.
Hier vor Ort äußert sich dies durch Erkrankungen wie Asthma, Lungenkrebs oder Schlaganfälle und weltweit z.B. durch Infektionskrankheiten und Mangelernährung.
Verschmutzte Luft führt zu mindestens genau so vielen Todesfällen wie Rauchen-, aber welche Luft man atmet, kann man sich selten aussuchen!
Wenn wir uns FÜR Gesundheit einsetzen, müssen wir uns GEGEN den Klimawandel einsetzen, denn nur ein gesundes Klima kann ein Klima der Gerechtigkeit sein!
Deshalb fordern wir: Fahrräder statt Autos auf die Straßen, kostenlosen Nahverkehr, energieeffiziente und soziale Wohnungsbaupolitik sowie die sofortige Umsetzung der längst fälligen Energiewende.
Die AfD vertritt ein überholtes Familienbild. 
Das traditionelle Familienbild der AfD bezieht sich auf die Elternschaft als eine heterosexuelle Ehegemeinschaft. In dieser soll die Hauptaufgabe von Frauen das Gebären und Betreuen von Kindern sein.
Sich keiner Polemik zu schade manifestieren die Rechtspopulist*innen ihr antiquiertes Familienbild in Slogans wie „mehr Kinder statt Masseneinwanderung“.
Diese Positionen sind nicht nur nicht zeitgemäß, sondern Ausdruck eines antiemanzipatorischen Frauenbildes, welches auch noch mit einer rechtskonservativen Haltung zum Thema Schwangerschaftsabbruch komplettiert wird. Die Alternative für Deutschland bezeichnet sich als Partei von sogenannten Lebensschützer*innen und fordert, dass die Beratungsgespräche, denen sich Frauen auch aktuell vor einem Schwangerschaftsabbruch unterziehen müssen, nicht mehr ergebnisoffen gestaltet werden dürfen. Ungewollt Schwangere sollen nach AfD-Vorstellungen mithilfe dieser Gespräche davon überzeugt werden, sich gegen einen Abbruch zu entscheiden.
Wir fragen uns: Was für ein perfides Frauenbild hat eine Partei, die sich erdreistet, Schwangeren die Entscheidung über ihren Körper zu nehmen?
In unseren Augen ist es eine rein persönliche Entscheidung, welches Lebenskonzept Menschen wählen, -ob, – mit wem, -auf welchem Weg sie Kinder bekommen, in welcher familiären oder nicht-familiären Struktur sie leben oder wie viel sie arbeiten wollen. Diese bedarf keiner einschränkenden Vorgaben durch Leit- und Rollenbilder.
Wir fordern: die Stärkung der Selbstbestimmung von Frauen, freien Zugang zu Informationen über Schwangerschaftsabbrüche und eine unterstützende Beratung und Betreuung für Schwangere unabhängig von ihrer Entscheidung.
Die AfD will suchtkranke Menschen kriminalisieren. Bei der Auseinandersetzung mit der AfD und deren parteipolitischen Zielen wird an jeder Stelle deutlich, dass diese auf stigmatisierenden und pauschalisierenden Vorstellungen basieren.
Alkohol- und Drogenabhängige sind suchtkranke Menschen. Diese haben das Anrecht auf eine qualifizierte medizinische Behandlung. Nach Vorstellungen der Rechtspopulist*innen sollen die Betroffenen jedoch viel eher in Sicherheitsverwahrungen untergebracht werden, anstatt ihnen eine adäquate Therapie zukommen zu lassen. Dies lehnen wir entschieden ab und sprechen uns für eine verurteilungsfreie Behandlung von Suchtkranken aus.
Mit alldem wofür rechtspopulistische Parteien wie die AfD stehen, können und wollen wir unsere Vorstellungen von Politik und Gesundheitsversorgung nicht überein bringen. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist nicht nur falsch, sondern gefährlich und es gilt, sich dieser jeden Tag in den Weg zu stellen.
Wir fordern euch alle auf, dies zu tun! Bei den anstehenden Stadtrat, Europa- und Landtagswahlen sowie an jedem anderen Tag im Jahr. Besonders hier, in diesem Bundesland, besonders hier in dieser Stadt. Lasst uns eine laute und kräftige Stimme gegen Rassismus und Hetze sein. Und zwar nicht nur an Tagen wie heute, sondern auch in Momenten, in denen dies viel schwieriger ist. Nur zusammen können wir es schaffen, in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft zu leben. Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen!